Neuerwerbungen

Buchbesprechung
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Bergland

Roman


Gehen oder Bleiben? Das ist für sehr viele Menschen heute eine lebensbegleitende Frage. Wo gibt es Frieden, Arbeit, eine Zukunft für die Kinder. An dem hochgelegenen Schauplatz des Romans einem Bergbauernhof, stellt sich die Frage für die Bewohner immer wieder, in jeder Generation anders. Die Autorin zeigt, wie sich vier Generationen auf dem Innerleithof in diesem Grundkonflikt entscheiden, dafür blendet sie die Zeitebenen behutsam ineinander und stellt zwei Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Franziska, die aktuelle Bäuerin auf dem Innerleit und die Großmutter ihres Mannes, Rosa, die nach dem Krieg den Hof ganz allein bewirtschaftet hat mit einer Beharrlichkeit, die sich auch als Härte gegenüber sich selbst beschreiben lässt. Wegen der Armut und der harten Arbeit liessen sich andere junge Bauerntöchter schon in den 30er Jahren lieber als Hilfen für italienische Haushalte anwerben. Doch schon Rosas Vater wusste, dass er seine Wurzeln nicht abschneiden kann. In der Zeit der Option ab 1939 mussten die Südtiroler wählen: Italiener werden und bleiben oder Deutsche bleiben und nach Norden auswandern. Der Innerleitbauer blieb auf seinem Hof.

Bald werden seine Söhne und Rosas Mann zum Einsatz in die Wehrmacht oder der Waffen SS kommandiert oder verstecken sich in den Bergwäldern, wie der Bruder von Rosas Mann, um nicht zu Kanonenfutter zu werden. Rosa jedenfalls wird den Hof bald ganz allein durchbringen.

Franziska steht in der Gegenwart in einem anderen Spannungsfeld: sich aufarbeiten auf dem Hof bis zum Burnout oder weggehen, ins Tal ziehen, näher zur Schule und zu einem weniger aufreibenden Broterwerb, wo man wegen der Steilheit der Hänge nicht schon beim Heumähen sein Leben aufs Spiel setzen musste. Sie ist eine Studierte, Alternativen wären also da. Mehr Familienleben, mehr Zeit für sich und nicht ständig den Hof als Gesprächsthema in der Paarbeziehung. Der ständige Druck immer noch mehr zu bieten für die Feriengäste, immer die beste Bewertung im Buchungsportal zu bekommen und dafür am besten noch das eigene Leben vor den Augen der Touristen zu optimieren, er lastet auf der Seele. Ein Bauernhof ist eben immer mehr als ein Wohnhaus. Und nebendran auf dem alten Hof lebt auch noch der Schwiegervater, verhärmt und eigenwillig, Touristen hasst er und für alle Neuerungen, die Franziska und ihr Mann einführen, hat er eher Verachtung übrig. Die Härte seiner Mutter Rosa hat ihn geprägt, aber er hat von ihr auch unendlich viel gelernt.

Müssen sie die Reißleine ziehen und den Hof aufgeben um sich zu befreien oder werden sie wieder Boden unter die Füße bekommen und Wärme in die Beziehung?

Gabriele Hafner, Redakteurin Münchner Kirchenradio, Sankt Michaelsbund

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