Schreibwettbewerb 2018 - Siegertexte

Die Siegertexte des Schreibwettbewerbs 2018

Z

wanzig Millionen Straßen

werden benutzt von Hasen.

Wir brauchen sie nicht – wir fahren mit Autos aus Gras

Auf dem kleinen Mars.

U

nter Wasser gleiten unsere U-Boote

die meisten sind ulkige rote.

Wasser ist genügend da

und dazu schmeckt es wunderbar.

K

rake „Grün der Fiese“

ist ein großer Riese.

Unschuldige Fische frisst er

Aus dem toten Meer.

U

nterwassermann aus Lehm

fühlt sich an als wäre er Creme.

Er wohnt in schwarzem Öle

In einer Unterwasserhöhle.

N

achts funkeln alle Sterne,

sie machen das recht gerne.

Ja nachts da strahlt der Mond,

der auf den Sternen thront.

F

reie wilde Tiere

Zebras, Affen, Stiere.

Ein Schwein das lebt hier auch

Mit kugelrundem Bauch.

T

anzende magische Stühle,

in der Zaubermühle.

Fliegende Gedanken,

Leben ohne Schranken.

 

von Marlene Mieth, 5c

 

2 Elfchen von Emma Plagents und Romy Feuchtgruber aus der Klasse 5c.:

Zeitzauber

Sekunden

über Minuten

die Zeit vergeht

Was wird noch kommen?

Zukunft

 

Zukunftsbevölkerung

später

Unglaubliche Gestalten

bevölkern unsere Erde

in fantastischer, strahlender Zukunft

Hoffnung

 

 

 

3 Zukunftselfchen   von Helena Deißenbeck, 5a

 

                                         Zukunft

                         fröhlich                   besonders

             schön          bunt            intelligent

  fortgeschrittener    anders     frei      ungefährlich

                                  interessant

 

                             Menschen

                      nett                  lustig

              modern   angezogen          fein

          schön         engagiert      interessiert     fröhlich

                                      dumm

 

                                  Schule

                        stressfrei                schön

                      keine Pflicht                     modern

                lustig                                Arbeit mit Tablets

                              besonders

 

Roboter der Zukunft      Geschichte von Julia Buchner Klasse 5a, 07/2018


Es war an einem Samstagmorgen, als das Alien-Mädchen Bianka beschloss in die Zukunft zu
reisen. Sie nahm ihr Ufo und flog Richtung Zukunft. Nach sehr langer Zeit kam sie endlich in
der Zukunft an, es war das Jahr 2222. Als sie aus dem Ufo ausstieg, bemerkte sie, dass sich
vieles verändert hatte. Autos konnten fliegen, Häuser sahen aus wie riesige Roboter und
weit und breit war kein einziges Feld mehr zu sehen. Da sie sich in der Zukunft ganz und gar
nicht auskannte, beschloss Bianka einen Anwohner zu fragen. Sie ging zu einen Roboterhaus
und wunderte sich über das rote Blinketeil, das an der Tür befestigt war. Als Bianka
anklopften wollte, weil keine Klingel vorhanden war, blitzte das Blinketeil und eine
Roboterstimme sagte: „Gesichtserkennung fehlgeschlagen, bitte versuchen sie es erneut!“
Bianka erschrak und als sich ihr Herz wieder beruhigte dachte sie: „Gesichtserkennung? Was
die Leute später alles haben. Heutzutage benutzt man noch einen Schlüssel.“ Auf einmal ging
die Tür auf und eine zierliche Frau trat heraus: „Nanu, wer bist du denn? Robi hat mir gerade
mitgeteilt, dass jemand vor der Türe steht“, sagte sie mit weicher Stimme. Bianka sah sie mit
großen Augen an und antwortete etwas leise: „Ich bin Bianka und komme aus der
Gegenwart…also für sie komme ich aus der Vergangenheit. Ich wollte wissen wieso hier alles
so anders aussieht? Und was ist ein Robi?“ „Nun mal langsam,“ sprach die Frau. „Wenn ich
dich richtig verstanden habe, kommst du aus einem anderem Jahr!? Und du wunderst dich
wieso alles anders ist?“ Bianka nickte mit dem Kopf. „Komm mit rein Bianka und ich zeige dir
alles.“ Ohne zu zögern ging Bianka mit der Frau ins Haus. Doch was war das? Überall waren
Roboter. Einer saugte gerade den Teppich, einer schrubbte den Boden, der andere war
gerade dabei aufzuräumen und noch viele mehr arbeiteten im Haus. Staunend blickte sich
Bianka um. Die Frau sagte: „Das sind meine Robis. Robi Eins…“ Als Robi Eins seinen Namen
hörte, blickte er kurz auf, putzte aber gleich wieder weiter. „…Robi, Zwei, Drei, Vier, Fünf,
Sechs…“ Als sie bei Robi 21 stehen blieb, bemerkte sie erst, dass Bianka sie ungläubig
anstarrte. „Das war jetzt vielleicht ein bisschen zu viel für den Anfang“, meinte die Frau.
„Aber das coolste muss ich dir noch zeigen, danach kannst du dich sehr gerne auf meine
gemütliche Couch legen.“ Der Gedanke an eine gemütliche Couch lies Bianka augenblicklich
müde werden, doch sie riss sich zusammen, nickte leicht und die Frau schnipste mit ihren
Fingern. Sofort bewegte sich der Boden und sie fuhren durch das Esszimmer in Richtung
Küche. Auf einmal blieben sie stehen, vor einem riesigen silbernen Teil mit Knöpfen. Als die
Frau sagte: „10 Würste“ und den roten Knopf betätigte öffnete sich der komplett leere
Kühlschrank und nur ein paar Sekunden später erschienen 10 Würste in der Mitte des
Kühlschrankes. „Wow! Wirklich erstaunlich!“ war alles, was Bianka sagen konnte. Sie war so
überrascht und unglaublich müde von den ganzen Eindrücken. „Kommt jetzt die Couch?“
fragte Bianka. „Okay, okay“ antwortete die Frau. Wieder schnipste sie mit den Fingern und
der Boden fuhr in Richtung Wohnzimmer. Als sie vor einem großen kantigen Tisch
stehenblieben, staunte Bianka nicht schlecht und sagte etwas traurig: „Sie haben ja gar keine
Couch.“ „Doch, doch, das kommt noch. Aber bitte sag nicht immer sie zur mir. Du kannst
mich Jana nennen“, antwortete die zierliche Frau. „Okay, Jana“ wiederholte Bianka mit
einem Lächeln. Jana klatschte nun drei Mal in die Hand und der große Tisch bekam plötzlich
Polster und fuhr sich zu einer riesigen Couch aus. „Zufrieden?“, fragte Jana mit einem
schmunzeln auf den Lippen. „Und wie!“ freute sich Bianka. „Aber wie kannst du dir das alles
merken?“, fragte sie verwundert. „Ach weißt du“, fuhr Jana fort, „wenn man so wundervolle
Sachen besitzt und man außer klatschen und schnipsen nichts mehr tun muss, hat man
genügend Zeit sich alles einzuprägen.“ Bianka überlegte und meinte dann: „Ist das nicht ein
bisschen langweilig, nichts mehr tun zu müssen?“ „Doch, doch“, antwortete Jana. „Das ist ja
das Problem. Keiner macht mehr was. Die Straßen sind leer, Geschäfte sterben aus und die
Natur wird mit dem ganzen Müll total verschmutzt!“ „Gibt es denn keinen Roboter der den
ganzen Müll beseitigt?“, wunderte sich Bianka. „Nein, eben nicht! Aber jetzt lass uns nicht so
traurig sein, ruh dich erst einmal aus. Wenn du etwas brauchst, musst du nur schnipsen.
Mein Robi kommt dann und erfüllt dir jeden Wunsch!“ „Oh, danke!“, freute sich Bianka. Sie
legte sich auf die Couch, deckte sich mit der Decke zu, die ebenfalls bei dem Umbau
erschienen war und schlief daraufhin sofort ein.
Ein lauter Knall ertönte und Bianka schreckte aus ihrem Schlaf auf. „Wa-a-s-s ist l-l-l-lo-o-oos?“,
fragte Bianka mit zittriger Stimme. Jana, die vor ihr stand sah sehr beunruhigt aus.
„Robi zwei, der Fenster putzt, hat wohl so eben den Geist aufgegeben.“ Sie drehte sich
schnell um, in der Hoffnung das Bianka ihre feuchten Augen nicht bemerkte. „Kann man ihn
denn nicht reparieren?“, staunte Bianka. „Nein, zumindest nicht so gut und schnell. Es gibt
weltweit leider nur zwei Handwerker, die Roboter reparieren. Die aber leben in Asien. Das
dauert…“ „Oh, verstehe“, meinte Bianka. „Kostet das nicht auch ein Vermögen, den Roboter
reparieren zu lassen?“ „Doch schon. Aber in der heutigen Zeit sind alle steinreich“, fuhr Jana
fort. „Hast du die Telefonnummer?“, fragte Bianka „dann kannst du den Handwerker
anrufen“. „Das ist eine super Idee Bianka, ich sollte dort anrufen“ sagte Jana schon etwas
beruhigter. Sie schnipste wieder mit den Fingern und ein Roboter kam und überreichte ihr
ein komisch aussehendes Telefon mit bereites gewählter Nummer. „Können deine Robis
etwa auch Gedanken lesen?“ fragte Bianka verwundert. „Na klar“, freute sich Jana. Sie
atmete noch einmal tief durch und drückte dann den grünen Knopf vom Telefon. Nach ein
paar Sekunden erklang eine Computerstimme: „Was kann ich für sie tun?“ „Mein Roboter
zum Fenster putzten ging so eben kaputt und ich wollte fragen ob sie ihn reparieren
können?“ fragte Jana mit leiser Stimme. „Na klar, wo wohnen sie denn?“ fragte die
Computerstimme. „Roboterweg 11 in Mühldorf, das ist in Deutschland“, sagte Jana mit
einem Lächeln auf den Lippen. „Okay, ich komme in ca. 1 Woche vorbei“, war das letzte was
die Stimme sagte bevor sie auflegte ohne sich zu verabschieden. „Der Handwerker ist ein
Computer?“, wunderte sich Bianka. „Nein, natürlich nicht, dann könnte er ja nicht zu mir
kommen. Aber wie ich schon sagte wohnt er in Asien und spricht natürlich nur asiatisch.
Aber da alle Menschen der Welt zu ihm kommen braucht er einen Übersetzer und das ist
meistens ein Computer“, erklärte Jana. Bianka sah sie irritiert an und fragte: „Dann gibt es
irgendwann nur noch Roboter?“ „Ja, so in der Art“, antwortet Jana etwas kleinlaut.
Die nächsten sechs Tage verlief alles gleich. Janas Roboter putzten, bügelten und räumten
jeden Tag aufs Neue alles auf. Bianka lernte jede Menge neue Sachen in der Zukunft kennen.
Und endlich war es soweit, in einer Stunde soll der asiatische Handwerker eintreffen. Bianka
war schon richtig aufgeregt. Schon zum fünften Mal sah sie auf die Uhr. Nach einer gefühlten
Ewigkeit flog endlich ein riesen großes Roboterauto in die Einfahrt. Ein kleiner Mann mit
blauer Jeans und grauen Pullover stieg aus. Vor ihm fuhr ein großer Roboter der extra für ihn
den Weg nochmals kehrte. Der kleine Mann nuschelte irgendetwas auf asiatisch und sein
Robi übersetzte eifrig: „Hallo, hier bin ich. Wo ist denn der kaputte Roboter?“ „Hallo, schön
das sie da sind. Der Roboter steht im Flur, bitte folgen sie uns.“ sprach Jana mit einer
freundlichen Stimme. Wieder übersetzte der Roboter alles und sie gingen zusammen ins
Haus. Da lag er, der kaputte Roboter. Der kleine asiatische Mann begutachtete ihn von allen
Seiten ganz genau. Schließlich sprach sein Robi für ihn: „Den kann man nicht mehr
reparieren!“ Ehe jemand was sagen konnte, verließen der Mann und sein Robi das Haus und
flogen davon. „So etwas Unhöfliches“, beschwerte sich Bianka. „Was soll ich denn jetzt
machen?“, jammerte Jana. „Meine Fenster werden für immer dreckig sein. Es wird Monate
dauern bis ich einen neuen Roboter bekomme!“ „Nein!“, antwortete Bianka und schnipste
mit dem Finger. Ein Roboter kam zu ihnen und Bianka befahl ihm 2 Eimer mit Putzwasser
und 2 Lumpen zu bringen. Jana sah sie mit großen Augen an und fragte: „Was hast du vor?“
„Ganz einfach“, erwiderte Bianka „mach mir einfach alles nach.“ Sie nahm den Lumpen,
tränkte ihn mit Wasser, wand ihn aus und fuhr mit ihm über die Fensterscheibe die sofort
wieder glänzte. Jana staunte nicht schlecht. Am Anfang wusste sie noch nicht so recht, wie
sie mit dem Lumpen und dem Wasser umgehen sollte. Aber schon bald hatte sie den Dreh
raus. Die beiden putzten alle Fenster und Jana bemerkte, dass es Spaß macht nicht nur mit
Technik verbunden zu sein!

 

 

 

 

 {#Homer u. Kühe Teil 1_Clara_Hartl (2)}{#Homer u. Kühe Teil 2_Clara_Hartl (2)}

 

 

 

 

Leg dich nicht mit Göttern an

(…außer Du weißt, was du tust.)

          

© Tabea Elfa Giese, Ruperti-Gymnasium, Mühldorf am Inn, Klasse 8e, 2018

 

 

1.Kapitel

 

Ich hätte niemals geglaubt, dass ich mal in eine solche Situation komme.

 

Ich, das komische Mädchen mit den toten Eltern, das bei ihrer durchgeknallten Tante wohnt; das jedes technische Gerät, egal was es ist, innerhalb von Sekunden dazu bringt, entweder zu explodieren oder einfache auf irgendeine Weise den Geist aufzugeben. Hört sich ja eigentlich gar nicht so schlimm an, oder? Tja, ist es aber, wenn du in einer voll automatisierten Welt lebst, und Papier und aller analoger Kram verpönt wird bzw. im Falle von dem Papier, geschützt wird. Und das bin ich, Dayana Aurora Gwenster. Wobei mein Name mich echt zum Lacher macht:  Dayana, die „Widerstehende“. Dabei widerstehe ich ja nicht wirklich der Technik, sondern ich stehe mit ihr ganz offiziell im blutigen Krieg. Wobei man mal erwähnen muss, dass ich zwar mehr von ihren Kindern (ich meine die Geräte) umbringen als sie mich ins Schuldirektorat bringt: Die Lehrer ignorieren es meistens einfach, wenn ich schon wieder irgendwas zerstört habe.  Das liegt aber nicht wirklich an Nächstenliebe, sondern eher daran, dass ihr Geldbeutel unbeschädigt bleibt, da ich wegen eines Kompromisses mit dem Direktor den gesamten Schaden selbst bezahlen muss. Aber egal wie viele Geräte ich vernichte, die Technik trägt immer den Sieg davon, da sie nun mal die gesamte verdammte Welt beherrscht.

Mein Kumpel Charlie nennt mich deshalb immer nur „Analog-Nerd“, oder „Die, die mit der Technik tanzt“ (hat er aus einem alten Film; keine Ahnung). Gerade haben wir Avatar- und Hologrammtechnik. Tolle Sache. Dann muss man nicht mehr zur Arbeit laufen, sondern schickt seinen Avatar hin, und arbeitet von zuhause. Bald verlässt keiner mehr seinen Wohnquadranten. Tolle, neue Welt. Ohne Charlie könnte ich bei den Hausaufgaben einpacken. Der Alltag als Technikdepp ist ja eines, aber in der Schule ist es echt die Hölle.

 

Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich hatte mich darüber beklagt, dass ich, Dayana Aurora Gwenster, in eine so vertrackte Situation geraten bin.

Ich muss mich entscheiden: Rette ich die Welt oder ein im Koma liegendes Mädchen, das ich noch nicht einmal kenne? Und nur mal so nebenbei erwähnt: wenn ich mich „falsch“ entscheide, bringt der kranke Vater dieses armen Mädchens meine Tante, den letzten Teil meiner Familie, um. Ach so … der Typ hat übrigens schon meine Eltern auf dem Gewissen, weil sie sich weigerten ihm zu helfen, und mich versteckten! Völlig durchgeknallt der Mann. Heile Welt, nicht wahr?

 

Und ich habe mich vor ein paar Wochen noch darüber beschwert, dass ich nie wirklich ernst genommen werde und dass ich nie irgendeine wichtige Entscheidung treffen darf.

Tja, jetzt würde ich das gerne revidieren. Kann ich aber leider nicht.

 

 

 


 

Kapitel 1

 

„Warum gehen Sie nicht einfach selber in diese blöde Höhle, und lassen mich und meine Tante einfach in Ruhe?“, schrie und bettelte ich gleichzeitig.

„Weil ich da nicht rein kann“, schnauzte mich der Vater des Mädchens (er heißt übrigens Salvator, der „Erretter“, welche Ironie, Ignatius Roy) auf die unfreundlichste Art und Weise an, während er sich mit der rechten Hand in der Nase pullte, um dann seinen Naseninhalt an seiner äußerst teurer aussehenden Hose abzuwischen. Ich sag nur, ekelhaft. Und sowas wird heutzutage noch Millionär, Unternehmer und was weiß ich noch alles.

„Ich mach es Dir einfach. Zum letzten Mal: Da drin ist eine Pflanze, die mein Mädchen retten kann. Glaub nicht, ich hätte es nicht selber schon probiert, einfach reinzugehen. Ich bin kein schlechter Mensch. Aber da ist so etwas wie ein Kraftfeld. Da kommt nur ein Nachkomme des Orakels durch. So steht es auf der Tafel da. Und da sich Deine Mutter weigerte, bleibst nur Du übrig.  Und wenn Du Dich auch weigerst, war es das mit Tantchen hier. Reicht das jetzt? Beweg Dich.“

„Was für ein bekacktes Orakel? Sie sind doch völlig irre!! Ich bin ein totaler Freak, ja. Aber was für ein Nachfahre, welchen Orakels.“

„Genug geredet. Rein jetzt, oder….“

„Ist ja schon gut.“

Er grinste mich mit einem ekelerregenden, siegessicheren Lächeln an, was ich ihm am liebsten aus dem Gesicht gewischt hätte. Dufte ich aber nicht. Dumm gelaufen für mich.

„Also: rein, Pflanze holen, raus und das war es dann?“

„Das war es dann. Und jetzt hob, mach schnell! Ich habe morgen noch einen wichtigen Geschäftstermin.“

Das hat er jetzt nicht gesagt, oder? Doch hat er, Dayana, hat er. Erst heult er herum, weil seine so geliebte Tochter seit Jahren im Koma liegt, bedroht mich und meine Tante, zwingt mich in diese vertrackte Höhle zu gehen und dann…! Dann heißt es: „Es jetzt alles wieder gut; jetzt wieder Geld scheffeln, obwohl ich es nie wirklich ausgeben werde, außer für Anzüge und Autos. Meine Tochter werde ich wie immer ignorieren und so weiter und so fort“. Dreckskerl, Mistkerl …. und jetzt gehen mir die Schimpfwörter aus. Erbärmlich für eine 14-jährige, ich weiß.

 

Ihn in Gedanken zu beleidigen brachte mir jetzt auch nichts.

Ich richtete meinen Blick auf den Eingang der Höhle, die nicht gerade einladend aussah. Mit einem letzten Blick auf meine Tante, die verzweifelt mit ihren Augen mir zu sagen versuchte, dass ich es nicht tun sollte. Ich wand meinen Blick von ihr ab und atmete tief durch. Dann betrat ich das mächtige, aber doch so filigran wirkende Maul der Höhle. Ich schaute nicht zurück.


 

Kapitel 2

 

Bis jetzt glich die Höhle einer normalen Gruselattraktion in einem Freizeitpark. Nur, dass in einem Gruselhaus meistens nicht irgendwelche kostbaren, alten und zerschlissenen Stoffe herumhängen - oder jedenfalls Fetzen von ihnen -, als hätte eine Horde von Menschen hier überstürzt die Flucht ergriffen und sich dabei die halbe Kleidung vom Körper gerissen.

 

Ich ging den Gang weiter. Was ich dann zu sehen bekam, verschlug mir den Atem. Vor mir saß auf einem übergroßen Thron, auf einem übergroßen Podest, ein übergroßer Mann. Und was für einer! Er hatte sandholzfarbenes Haar, mahagonifarbene Haut und antik aussehende Kleidung. Ich geriet ja nicht oft ins Stocken, aber dieses Mann war wirklich ein Prachtexemplar. Wären da nicht seine dunkelblauen Augen gewesen, die nur so vor Niedertracht und Hass glänzten, und völlig Kontrast zu seinem Aussehen standen. War der immer so drauf, oder galt das nur mir? Jedenfalls starrte er mich an, als würde er mich am liebsten sofort in Stücke zerreißen.

 

Doch etwas zog meinen Blick noch mehr auf sich als der junge, vor Hass triefende Mann vor mir. Und das war die Blume zwei Schritte hinter ihm und seinem Thron. Blau mit gelben, roten und violetten Tupfern. Das fehlende Mittel für den Heiltrank für das Ekel von Roy. Und mein Zielobjekt. Nur das sich das Erreichen dieses als etwas schwierig herausstellen könnte, wenn ein hasserfüllter Riese dich niederstarrt. Als ich gerade überlegte, wie ich ihm auf freundliche Weise verklickern könnte, seinen Zorn doch bitte auf andere zu lenken und mich vorbeizulassen, fing er an mit tiefer und melodischer Stimme zu sprechen. Naja es war eher eine Art Singsang mit einer ganz großen Spur von Selbstsicherheit, die schon ein wenig mit Arroganz gewürzt schien. Alles sehr pathetisch.

„Sei gegrüßt, Nachfahrin des Orakels. Du bist gekommen, um die Blüte der Hingabe zu pflücken.“

„Was habt ihr nur alle mit diesem Orakel?“

Der Riese zog die Augenbrauen hoch. Dann fing er schallend an zu lachen.

„Ein Orakel, dass nichts weiß – das wird ja immer besser.“ Er schüttelte sich aus vor Lachen, und in mir kochte langsam die Wut hoch. Könnt ihr bestimmt verstehen: Eltern ermordet, Tante entführt, Irrer schickt dich in ne blöde Höhle und ein riesiger, strahlend schöner Troll lacht dich noch aus, weil du es einfach nichts checkst….

„Ich mach es kurz, auch wenn es mir schwerfällt, das nicht weiter auszukosten“, meinte der Riese dann zwischen zwei Lachanfälle.

„Dies war das Orakel von Delphi. MEIN ORAKEL. Bis es mich verraten hat, und die größte Sünde beging. Es gab mich und den Eid ewiger Jungfräulichkeit auf für diesen, diesen…… Kerl. Mitten hier im…..“ Jetzt kam der Riese doch ins Stocken. „Egal. Das Orakel war entweiht worden. Von deiner Urahnin. Und ich verfluchte ihr Geschlecht und die undankbaren Menschen gleich mit. Ewig grausame Visionen und niemand soll ihnen mehr glauben. Egal wie sehr sich die Welt wandelt, die Nachfahren werden nie ein Teil von ihr sein. Klingelt da was bei Dir? Alpträume ab und zu? Zwei linke Hände im Alltag? Außenseiter?“ Das schien den Riesen jetzt wieder zu amüsieren. „Ich verbannte die Menschheit von diesem Ort; ließ nur den Verfluchten den Zutritt und baute eine Höhle drum herum. Und wie sehr zog diese Höhle sie alle an! Diese Blume dort entstand aus dem Blut bei der Geburt der ersten Tochter des Orakels von Delphi; der ersten Verfluchten. Sie kann alles heilen. Sogar den Fluch. Aber das spürst du wahrscheinlich schon.“ Tatsächlich wuchs in mir der Gedanke, die Blume für mich zu pflücken, anstatt die Roy auszuhändigen. Aber: war das wahr, oder einfach nur irres Gequatsche eines Verrückten, der sich ganz dringend mal die Inneneinrichtung eines Irrenhauses ansehen sollte? Leider ergab dieses Geschwafel etwas Sinn mit dem, was mir Roy mitgeteilt hatte.

 

„Dann lass uns das hier und heute beenden“, schlug ich jovial vor.

Wieder lachte der Riese. „Nur zu. Nimm sie Dir, Orakeltochter. Und all Deine Alpträume und die Deiner Vorfahren werden wahr werden. Naturkatastrophen, Krankheiten – einfach alles. Und das wird diese undankbare Menschheit endgültig vernichten. Denn wenn ein Nachfahre des Orakels hier erscheint, und mit eigener Hand die Blume pflückt, vollzieht sich des Fluches letzter Teil. Klingt doch sehr poetisch, oder?“
„Du meinst: wenn ich höchstpersönlich dahin gehe, die Blume anfasse und pflücke, dann war es das. Für alle Menschen? Kein Entrinnen und so? Wer bist du überhaupt.“

Jetzt schien der Riese doch ein wenig empört.

„Ich bin natürlich Apollo. Gott der Künste, der Weissagung, des Bogenschie…“ Weiter kam er nicht, weil diesmal ich mich vor Lachen ausschüttete. Der war ja noch irrer als Roy.

„Hör auf zu lachen, Sterbliche!"

„Nein, nein, entschuldige. Du bist Apollo und ich Hera, oder doch Zeus?“

„Verspotte mich nicht. Entscheide Dich.“

„Du bist ja richtig scharf drauf, endlich aus dieser Höhle zu kommen? Warum machen wir nicht einen Deal: Wir vergessen das mit dem Armageddon, ich krieg die Blume und du kommst einfach mit mir raus, und wir begraben dieses göttliche Kriegsbeil.“

Apollo, oder wer immer es war, glotzte mich aus großen Augen an.

„Wähle, Verfluchte, oder geh. Nimm die Pflanze und weihe die Menschheit ihrem Untergang, oder verlass die Höhle und verliere alles, was du noch hast.“

„Okay“, sagte ich nur, ging hinüber riss die Blume mit einem Ruck aus dem Boden und spazierte aus der Höhle.

 

Na, geschockt von mir? Glaube ich. Aber ich wusste, was ich tat. Sonst sollte man sich nicht mit einem Gott anlegen.

 

 

Kapitel 3

 

Hinter mir erhob sich ein Triumphgeheul, das so laut war, dass sich erste Steine aus der Höhlendecke lösten.

„Oh ja, es fängt an. Was war Dein Alptraum, Orakeltochter? Ein Erdbeben? Vulkanausbruch? Die Erde, sie wackelt schon.“

Erwartungsvoll verstummte der Riese. Und die Höhle …. beruhigte sich. Ich spazierte an Roy vorbei, drückte ihm die Blume in die Hand und ging zu meiner Tante.

In der Höhle schnappte jemand laut nach Luft. Sonst passierte…. Nichts. Gar nichts. Niente. Null. Nada. Oder doch: ja – da war es. Ein wahrhaft göttliches Geheule.

„Was ist hier los? Warum passiert nichts. Zeus, sie hat die Blume doch genommen! Ich will Gerechtigkeit…“ der Rest ging in einem Wutgeheule unter.

 

„Gut macht, Dayana“, war alles was meine Tante sagte. Mehr musste sie auch nicht sagen. Und dann löste ich mich langsam auf…

 

 

 


 

Epilog

 

Ich lehnte mich zufrieden in meinem Schreibtischstuhl zurück. Ich muss zugeben: Charlie hatte Recht: Die Technik hat doch was für sich, und selbst für einen Analog-Nerd wie mich. Ich beendete das Hologramm-Programm: Mein Avatar in Griechenland verschwand im selben Augenblick. Damit hörte auch das Geheul des Riesen in meinen Ohren auf.  

Charlie zwinkerte mir zu. „Keine Ahnung, was das war. Aber das hast du Klasse gemacht. Du hast ja selbst diesen Typen reingelegt.“

„Tja, er meinte ja, ich müsse die Blume höchstpersönlich anfassen, um den Fluch auszulösen. Von einem Avatar hat er nichts gesagt.“, grinste ich an Charlie.

Was für ein Glück, dass er damals da war, als Roy auftauchte, um mir bei den Hausaufgaben zu helfen.

„Und jetzt sag noch mal, die neue Welt ist kacke.“, grinste Charlie.

„Vielleicht kann ich mich doch noch damit anfreunden, und beides miteinander verbinden.“

 

Erde gerettet, Tante befreit, Roy … nun ja, der ist mit der Blume über alle Berge. Ob sie ihm helfen wird? Keine Ahnung. Aber ist auch egal. Der Fluch war nicht ausgelöst, und ich konnte meine Nachfahren warnen.

 

Leider scheint mein individueller Fluch der Technik-Unfähigkeit noch nicht so wirklich gebrochen, was mir mein Computer gerade anscheinend wieder beweisen will. Sieht so aus, als würde er jeden Moment hochgehen.

Ich würde euch gerne noch was Wichtiges erzählen, wenn der Rechner es mir erl…………..

END OF TRANSMISSON

 




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